Bericht zum Study Visit in Mailand am 30. + 31.01.2020

Im Zuge des SIAA Projekts fand eine zweitägige Exkursion nach Mailand statt. Ziel der Exkursion war es mehr über das Social Entrepreneurial Ökosystem in Mailand und ganz Italien zu erfahren, Netzwerke aufzubauen und die eine oder andere Idee in die Projektregion der Partner zu transferieren. Neben den Partnern der vier Projektregionen nahm auch das Advisory Board teil, sodass eine Gruppe von 22 Personen an den diversen Vorträgen und Workshops teilnahm.

 

Gemeindeverwaltung Mailand, Vortragende: Anna Cristina Siragusa

Der erste Programmpunkt des zweitägigen Study-Visits brachte uns in die Gemeindeverwaltung von Mailand. Für Verwunderung sorgte bei den Teilnehmer*innen beim Betreten des Raums ein „gesperrter Sitz“ im Sitzungssaal der Gemeinde. Wenig später wurde erklärt, dass es sich hierbei um einen „posto occupato“ handelt, welcher in vielen italienischen Gemeinden vorzufinden ist und auf Mordopfer, speziell auf Frauenmorde aufmerksam machen soll. Nach den Willkommensworten unserer Referentin Anna Siragusa gab es zunächst eine kurze Übersicht über Mailand und seine Vororte. Ebenfalls wurden die Gemeindegliederungen und Strukturen erklärt. Während der Stadtkern und vereinzelte Bezirke dank Innovationen, Tourismus und Investitionen sich schnell und positiv entwickeln, geht diese Entwicklung in einigen Vororten nur sehr schleppend voran und es gibt eine zunehmende Anzahl an sozialen Herausforderungen. Frau Siragusa sprach deshalb auch von einer Stadt mit zwei Geschwindigkeiten (Running Ahead vs. Staying Behind). Aus diesem Grund unterstützt und fördert die öffentliche Verwaltung in Mailand in den vergangenen zehn Jahren gezielt gesellschaftsrelevante Projekte beziehungsweise motiviert die Gesellschaft Projekte mit sozialem Mehrwert zu initiieren.

Im Anschluss an die Einführung wurden einige interessante Projekte im Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung vorgestellt.                                            Sitzungssaal Gemeindeverwaltung Mailand (Municipo 1)

 

 

Crowdfunding civico, Vortragende: Maria Rosaria Becchimanzi, Daniela Pierini, Maria Cristina Sabella

Die erste vorgestellte Initiative war ein in Italien einzigartiges Crowdfunding-Projekt, bei dem die öffentliche Verwaltung Crowdfunding-Methoden einsetzt, um die Entwicklung sozial relevanter Aktivitäten zu unterstützen. Die Besonderheit der Initiative besteht darin, dass die ausgewählten Projekte 50% ihres erforderlichen Budgets durch Crowdfunding sammeln müssen. Wenn das Ziel erreicht ist, gibt die Gemeinde die restlichen 50% der Initiative hinzu. Die maximale Finanzierungsgrenze beträgt 50.000 € pro Projekt. Die Vortragenden betonten, dass die Crowdfunding-Methode zu einer wesentlichen Verbindung zwischen den finanzierten Projekten und der Community beigetragen hat. Die Initiative stieß auf großes Interesse und von 18 ausgewählten Projekten erreichten 16 Projekte das 50% -Finanzierungsziel durch Crowdfunding.

 

Consorzio VialedeiMille, Vortragende: Luisa Della Morte, Herr Carlo

Anschließend hörte die Gruppe eine spannende Präsentation über das VialedeiMille –Konsortium. Das Konsortium, welches von der Stadt Mailand unterstützt wird, fasst verschiedene Genossenschaften und Unternehmen zusammen, welche in italienischen Gefängnissen tätig sind, und Gefangenen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Dank des Impulses des Ministeriums für Arbeitspolitik der Stadt Mailand konnte in der Viale dei Mille (nach der das Projekt benannt ist) ein Ausstellungsraum eröffnet werden, in dem die von Häftlingen hergestellten Produkte ausgestellt und gekauft werden können. Das Hauptquartier des Konsortiums ist nicht nur ein Geschäft, sondern ein physischer Raum, in dem Bürger mit den in Gefängnissen tätigen Genossenschaften und den dort arbeitenden Gefangenen in Kontakt treten, sich kennenlernen und miteinander reden können.

 

OpenAgri Project, Vortragender: Andrea Patrucco

Als nächstes wurde das hauptsächlich von UIA (Urban Innovation Actions) finanzierte Projekt “OpenAgri” vorgestellt. Das Ziel des von der Gemeindeverwaltung Mailands geleiteten Projektes ist es Fähigkeiten für Arbeitsplätze in der vorstädtischen Landwirtschaft zu vermitteln. Dies geschieht unter anderem durch einen Open Innovation Hub on Peri-Urban Agriculture und der Zusammenarbeit mit 15 weiteren Partnern wie mittelständischen Unternehmen, NGOs und Forschungseinrichtungen. Die Stadt Mailand stellt für das Projekt eine Fläche von 33 Hektar im Gebiet Cascina Nosedo zur Verfügung. Das Projekt erfuhr großes Interesse und am Ende der Bewerbungsfrist (Sept.2017) konnten 50 Projekteinreichungen gezählt werden. 27 dieser Projekte wurden in einer ersten Phase ausgewählt und qualifizierten sich zu einem Workshop. In einer zweiten Phase qualifizierten sich 18 Projekte für ein Trainings-, Acceleration, – und Incubationprogramm. Die finalen Projekte können folgenden drei Themenschwerpunkten zugeordnet werden: 1) Technological Innovations, 2) Social Innovation and Sharing Economy, 3) Agro-Systems Production + Services.

 

La scuola dei Quartieri, Vortragender: Davide Bazzini

Die letzte vorgestellte Initiative “la scuola dei Quartieri” folgt ganz dem Motto “Wenn sich die Vororte positiv entwickeln, ist es ein Gesamtgewinn für ganz Mailand”. Konkret beschäftigt sich das Projekt mit sozialen Ungleichheiten in Mailands Vorstädten und wie diese gemildert werden können. Wie Davide Bazzini erklärte zielt la scuola dei Quartieri darauf ab Projekte mit sozialem Mehrwert zu unterstützen bzw. die Gesellschaft zu motivieren und zu ermutigen solche Projekte zu initiieren. Aus diesem Grund werden drei Zielgruppen adressiert: 1) Motivierte Menschen auf der Suche nach einer Idee, 2) Menschen die bereits eine Idee haben, 3) Menschen mit einem umsetzungsreifen Projekt. In der Initiative werden sowohl Wissen als auch praktische Tipps vermittelt und im Unterschied zu „klassischen Einrichtungen“ unterscheidet sich la scuola dei Quartieri indem sie komplett kostenlos ist und keinerlei Zugangsvoraussetzungen benötigt werden. Des Weiteren gibt es keinen festen physischen Raum sondern es wird dort geholfen und gelehrt, wo die Menschen arbeiten und wohnen. Für ausgewählte und qualifizierte Projekte gibt es in weiteren Phasen umfangreiche Unterstützungsangebote wie Trainingsprogramme und Finanzierungsunterstützung. Im ersten Durchgang (Herbst 2019) qualifizierten sich hierfür 20 Projekte und es bleibt spannend wie sich diese Projekte weiterentwickeln. Im Herbst dieses Jahres wird der zweite Durchgang an Workshops und anschließendem Call stattfinden.

 

In Galera Restaurant, Vortragender: Silvia Polleri

Nach den spannenden Vorträgen ging es für die Teilnehmer*innen der Exkursion zum Bollate Gefängnis. Hungrig vom Fußmarsch freuten sich alle auf ein köstliches Mittagessen im weltweit bekannten „In Galera“ (übersetzt: „Im Gefängnis“) Restaurant. Im Anschluss gab es einen Vortrag von Silvia Polleri, welche viele Jahre einen Cateringbetrieb leitete und im Jahr 2015 dieses Restaurant eröffnete. Wichtig war von Beginn an, dass sich das Restaurant auf dem Gefängnisgelände befindet um ersten Stigmatisierungsproblematiken zu umgehen und zweitens keine rechtlichen Probleme zu bekommen.

Das Ziel der engagierten Geschäftsführerin ist es, Häftlinge während ihrer Inhaftierung soweit vorzubereiten, dass sie nach ihrer Freilassung umgehend einen qualifizierten Arbeitsplatz finden. Dadurch, dass alle Mitarbeiter im „In Galera“ Restaurant ein übliches Gehalt bekommen und es Häftlingen möglich ist Geld an Familienmitglieder zu schicken, wird auch der Familienzusammenhalt positiv unterstützt. Wie Frau Polleri erzählte haben viele Häftlinge Kinder und es sei ihnen extrem wichtig ihre Familien finanziell unterstützen zu können. Da die Ausbildung und Qualifikation mehrere Jahre in Anspruch nimmt fokussiert sich das Restaurant auf Häftlinge welche noch mindestens 5-8 Jahre Haft vor sich haben. Aus rechtlichen Gründen ist es momentan (noch) nicht möglich, dass männliche und weibliche Häftlinge im Restaurant arbeiten. Daher beschäftigt In Galera aktuell nur männliche Häftlinge, welche zugleich die Mehrheit im Bollate Gefängnis darstellen. Zusammen mit anderen Initiativen trägt das In Galera Restaurant dazu bei, dass die Rückfallquote in die Kriminalität bei Entlassung aus dem Bollate Gefängnis um ein vielfaches niedriger ist als im restlichen Italien.              Mittagessen im „In Galera Restaurant“

 

Fondazione Triulza, Vortragende Alessandra Mambriani

Gestärkt ging es vom Bollate Gefängnis zum nahegelegenen Expo Gelände aus dem Jahr 2015. Die riesige Fläche mit ihren vielen Gebäuden ist noch immer beeindruckend und man kann sich gut vorstellen wie im Sommer vor fünf Jahren 20 Millionen Menschen das Messegelände besuchten. Auch wenn es schon unmittelbar nach dem Ende der Weltausstellung Pläne zur Weiternutzung gab, lief die Umsetzung zunächst nur sehr schleppend an. Geplant ist, dass sich das Gelände zum Milano Innovation District (MIND) entwickeln soll. Aktuell sticht vor allem die Baustelle des entstehenden 16-stöckigen Krankenhauses hervor, in welchem nach der Fertigstellung mehr als 700 Ärzte und 1.100 Krankenschwestern arbeiten werden. Das neue Krankenhaus wird 500 Betten haben und wird sich auf einige Schwerpunkte wie Orthopädie und Kardiologie fokussieren. Des Weiteren laufen aktuell die Verhandlungen mit 50 nationalen und internationalen Firmen welche eine Forschungseinrichtung im MIND errichten wollen. Ebenfalls hat die Universität Mailand damit begonnen einen eigenen Campus auf dem Gelände zu errichten. Im Endstadium sollen im MIND, welcher infrastrukturmäßig hervorragend angeschlossen ist, einmal mehr als 60.000 Menschen arbeiten und studieren.

 

Luiss Hub, Vortragende: Giulio Montoli

Als letzten Programmpunkt am ersten Tag ging es zum Luiss Hub. Hier gab es zunächst eine kleine Führung durch das Gebäude. Besonders interessant waren die Laboratorien mit den 3D Druckern und die Arbeitsplätze der Acceleratorteilnehmer*innen. Im Anschluss gab es einen Vortrag von Giulio Montoli, Leiter des Enlabs Acceleratorprogrammes, welches in Mailand und Rom angeboten wird. Hierbei wurden ausführlich der Bewerbungsprozess und die Durchführung des herausfordernden Programmes erklärt. Auch wenn sich das Enlab Acceleratorprogramm hauptsächlich auf gewinnorientierte Entrepreneure fokussiert, gab es am Ende noch eine kurze Präsentation von einem aktuellen Acceleratorteilnehmer mit einer Geschäftsidee welche auch soziale Aspekte beinhaltet.

Nicola Zanola erklärte die All-in-one Plattform Apical. Dieses Online-Tool ermöglicht Personen, Unternehmen oder Organisationen geplante Reisen einfach und sicher zusammenzustellen und verkauft Reiseprodukte. Es können in einem Planungsschritt verschiedene Services und Aktivitäten kombiniert werden.
Der Sozialaskpet bei Apicol ist, dass die Non-profit Organisation Beeyourhero unterstützt wird.

 

FabriQ, Vortragende: Elena Visentin, Matteo Bina

Am zweiten Tag ging es zu FabriQ, einem sozialen Innovation Incubator der Gemeindeverwaltung Mailand. Schon während der Fahrt mit dem Bus zum Quarto Oggiaro District konnte man die großen Unterschiede zum wohlhabenden Stadtkern und den ärmeren Randgebieten bemerken. Auch wenn die Gemeindeverwaltung Mailands hinter dem sozialen Incubator steht, erfolgt dessen Durchführung hauptsächlich durch zwei verlässliche und motivierte Partner: die Giacomo Brodolini Stiftung und dem Impact Hub Milano. Das Ziel des Incubators ist es soziale Innovationen zu fördern und soziale Startups in der Anfangsphase zu unterstützen. Für die Gemeindeverwaltung Mailands ist FabriQ aktuell eine Art Testprojekt mit dessen Erkenntnissen weitere soziale Incubatoren angedacht sind. Das Trainingsprogramm für soziale Entrepreneure ist sehr umfangreich, kann aber teilweise auf die Bedürfnisse der einzelnen Teams angepasst werden.

 

Ashoka Italy: Giulia Sergi

Im Anschluss gab es in den FabriQ Räumlichkeiten noch einen Miniworkshop unter der Leitung von Giulia Sergi (Ashoka). In dem Workshop ging es hauptsächlich darum wie man gewisse, oftmals langexistierende Systeme in unserer Gesellschaft ändern kann und die Herausforderung erkennen welche Faktoren oftmals (unbewusst) hinter solchen Systemen stecken. Genauer beschäftigten sich die Teilnehmer*innen in einer heiteren Diskussion mit der Problematik des Plastikmülls. Wie sich in der Diskussion herausstellte, hat Plastik unter Gewissen Voraussetzungen durchaus auch seine Vorteile welche in den aktuellen Plastikmülldebatten häufig nur unzureichend berücksichtigt werden.

 

Im Zuge des SIAA Projekts fand eine zweitägige Exkursion nach Mailand statt. Ziel der Exkursion war es mehr über das Social Entrepreneurial Ökosystem in Mailand und ganz Italien zu erfahren, Netzwerke aufzubauen und die eine oder andere Idee in die Projektregion der Partner zu transferieren. Neben den Partnern der vier Projektregionen nahm auch das Advisory Board teil, sodass eine Gruppe von 22 Personen an den diversen Vorträgen und Workshops teilnahm.

 

Gemeindeverwaltung Mailand, Vortragende: Anna Cristina Siragusa

Der erste Programmpunkt des zweitägigen Study-Visits brachte uns in die Gemeindeverwaltung von Mailand. Für Verwunderung sorgte bei den Teilnehmer*innen beim Betreten des Raums ein „gesperrter Sitz“ im Sitzungssaal der Gemeinde. Wenig später wurde erklärt, dass es sich hierbei um einen „posto occupato“ handelt, welcher in vielen italienischen Gemeinden vorzufinden ist und auf Mordopfer, speziell auf Frauenmorde aufmerksam machen soll. Nach den Willkommensworten unserer Referentin Anna Siragusa gab es zunächst eine kurze Übersicht über Mailand und seine Vororte. Ebenfalls wurden die Gemeindegliederungen und Strukturen erklärt. Während der Stadtkern und vereinzelte Bezirke dank Innovationen, Tourismus und Investitionen sich schnell und positiv entwickeln, geht diese Entwicklung in einigen Vororten nur sehr schleppend voran und es gibt eine zunehmende Anzahl an sozialen Herausforderungen. Frau Siragusa sprach deshalb auch von einer Stadt mit zwei Geschwindigkeiten (Running Ahead vs. Staying Behind). Aus diesem Grund unterstützt und fördert die öffentliche Verwaltung in Mailand in den vergangenen zehn Jahren gezielt gesellschaftsrelevante Projekte beziehungsweise motiviert die Gesellschaft Projekte mit sozialem Mehrwert zu initiieren.

Im Anschluss an die Einführung wurden einige interessante Projekte im Sitzungssaal der Gemeindeverwaltung vorgestellt.
Sitzungssaal Gemeindeverwaltung Mailand (Municipo 1)

  

Crowdfunding civico, Vortragende: Maria Rosaria Becchimanzi, Daniela Pierini, Maria Cristina Sabella

Die erste vorgestellte Initiative war ein in Italien einzigartiges Crowdfunding-Projekt, bei dem die öffentliche Verwaltung Crowdfunding-Methoden einsetzt, um die Entwicklung sozial relevanter Aktivitäten zu unterstützen. Die Besonderheit der Initiative besteht darin, dass die ausgewählten Projekte 50% ihres erforderlichen Budgets durch Crowdfunding sammeln müssen. Wenn das Ziel erreicht ist, gibt die Gemeinde die restlichen 50% der Initiative hinzu. Die maximale Finanzierungsgrenze beträgt 50.000 € pro Projekt. Die Vortragenden betonten, dass die Crowdfunding-Methode zu einer wesentlichen Verbindung zwischen den finanzierten Projekten und der Community beigetragen hat. Die Initiative stieß auf großes Interesse und von 18 ausgewählten Projekten erreichten 16 Projekte das 50% -Finanzierungsziel durch Crowdfunding.

 

Consorzio VialedeiMille, Vortragende: Luisa Della Morte, Herr Carlo

Anschließend hörte die Gruppe eine spannende Präsentation über das VialedeiMille –Konsortium. Das Konsortium, welches von der Stadt Mailand unterstützt wird, fasst verschiedene Genossenschaften und Unternehmen zusammen, welche in italienischen Gefängnissen tätig sind, und Gefangenen Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten bieten. Dank des Impulses des Ministeriums für Arbeitspolitik der Stadt Mailand konnte in der Viale dei Mille (nach der das Projekt benannt ist) ein Ausstellungsraum eröffnet werden, in dem die von Häftlingen hergestellten Produkte ausgestellt und gekauft werden können. Das Hauptquartier des Konsortiums ist nicht nur ein Geschäft, sondern ein physischer Raum, in dem Bürger mit den in Gefängnissen tätigen Genossenschaften und den dort arbeitenden Gefangenen in Kontakt treten, sich kennenlernen und miteinander reden können.

 

OpenAgri Project, Vortragender: Andrea Patrucco

Als nächstes wurde das hauptsächlich von UIA (Urban Innovation Actions) finanzierte Projekt “OpenAgri” vorgestellt. Das Ziel des von der Gemeindeverwaltung Mailands geleiteten Projektes ist es Fähigkeiten für Arbeitsplätze in der vorstädtischen Landwirtschaft zu vermitteln. Dies geschieht unter anderem durch einen Open Innovation Hub on Peri-Urban Agriculture und der Zusammenarbeit mit 15 weiteren Partnern wie mittelständischen Unternehmen, NGOs und Forschungseinrichtungen. Die Stadt Mailand stellt für das Projekt eine Fläche von 33 Hektar im Gebiet Cascina Nosedo zur Verfügung. Das Projekt erfuhr großes Interesse und am Ende der Bewerbungsfrist (Sept.2017) konnten 50 Projekteinreichungen gezählt werden. 27 dieser Projekte wurden in einer ersten Phase ausgewählt und qualifizierten sich zu einem Workshop. In einer zweiten Phase qualifizierten sich 18 Projekte für ein Trainings-, Acceleration, – und Incubationprogramm. Die finalen Projekte können folgenden drei Themenschwerpunkten zugeordnet werden: 1) Technological Innovations, 2) Social Innovation and Sharing Economy, 3) Agro-Systems Production + Services.

 

La scuola dei Quartieri, Vortragender: Davide Bazzini

Die letzte vorgestellte Initiative “la scuola dei Quartieri” folgt ganz dem Motto “Wenn sich die Vororte positiv entwickeln, ist es ein Gesamtgewinn für ganz Mailand”. Konkret beschäftigt sich das Projekt mit sozialen Ungleichheiten in Mailands Vorstädten und wie diese gemildert werden können. Wie Davide Bazzini erklärte zielt la scuola dei Quartieri darauf ab Projekte mit sozialem Mehrwert zu unterstützen bzw. die Gesellschaft zu motivieren und zu ermutigen solche Projekte zu initiieren. Aus diesem Grund werden drei Zielgruppen adressiert: 1) Motivierte Menschen auf der Suche nach einer Idee, 2) Menschen die bereits eine Idee haben, 3) Menschen mit einem umsetzungsreifen Projekt. In der Initiative werden sowohl Wissen als auch praktische Tipps vermittelt und im Unterschied zu „klassischen Einrichtungen“ unterscheidet sich la scuola dei Quartieri indem sie komplett kostenlos ist und keinerlei Zugangsvoraussetzungen benötigt werden. Des Weiteren gibt es keinen festen physischen Raum sondern es wird dort geholfen und gelehrt, wo die Menschen arbeiten und wohnen. Für ausgewählte und qualifizierte Projekte gibt es in weiteren Phasen umfangreiche Unterstützungsangebote wie Trainingsprogramme und Finanzierungsunterstützung. Im ersten Durchgang (Herbst 2019) qualifizierten sich hierfür 20 Projekte und es bleibt spannend wie sich diese Projekte weiterentwickeln. Im Herbst dieses Jahres wird der zweite Durchgang an Workshops und anschließendem Call stattfinden.

 

In Galera Restaurant, Vortragender: Silvia Polleri

Nach den spannenden Vorträgen ging es für die Teilnehmer*innen der Exkursion zum Bollate Gefängnis. Hungrig vom Fußmarsch freuten sich alle auf ein köstliches Mittagessen im weltweit bekannten „In Galera“ (übersetzt: „Im Gefängnis“) Restaurant. Im Anschluss gab es einen Vortrag von Silvia Polleri, welche viele Jahre einen Cateringbetrieb leitete und im Jahr 2015 dieses Restaurant eröffnete. Wichtig war von Beginn an, dass sich das Restaurant auf dem Gefängnisgelände befindet um ersten Stigmatisierungsproblematiken zu umgehen und zweitens keine rechtlichen Probleme zu bekommen.

Das Ziel der engagierten Geschäftsführerin ist es, Häftlinge während ihrer Inhaftierung soweit vorzubereiten, dass sie nach ihrer Freilassung umgehend einen qualifizierten Arbeitsplatz finden. Dadurch, dass alle Mitarbeiter im „In Galera“ Restaurant ein übliches Gehalt bekommen und es Häftlingen möglich ist Geld an Familienmitglieder zu schicken, wird auch der Familienzusammenhalt positiv unterstützt. Wie Frau Polleri erzählte haben viele Häftlinge Kinder und es sei ihnen extrem wichtig ihre Familien finanziell unterstützen zu können. Da die Ausbildung und Qualifikation mehrere Jahre in Anspruch nimmt fokussiert sich das Restaurant auf Häftlinge welche noch mindestens 5-8 Jahre Haft vor sich haben. Aus rechtlichen Gründen ist es momentan (noch) nicht möglich, dass männliche und weibliche Häftlinge im Restaurant arbeiten. Daher beschäftigt In Galera aktuell nur männliche Häftlinge, welche zugleich die Mehrheit im Bollate Gefängnis darstellen. Zusammen mit anderen Initiativen trägt das In Galera Restaurant dazu bei, dass die Rückfallquote in die Kriminalität bei Entlassung aus dem Bollate Gefängnis um ein vielfaches niedriger ist als im restlichen Italien.
Mittagessen im „In Galera Restaurant“

 

Fondazione Triulza, Vortragende Alessandra Mambriani

Gestärkt ging es vom Bollate Gefängnis zum nahegelegenen Expo Gelände aus dem Jahr 2015. Die riesige Fläche mit ihren vielen Gebäuden ist noch immer beeindruckend und man kann sich gut vorstellen wie im Sommer vor fünf Jahren 20 Millionen Menschen das Messegelände besuchten. Auch wenn es schon unmittelbar nach dem Ende der Weltausstellung Pläne zur Weiternutzung gab, lief die Umsetzung zunächst nur sehr schleppend an. Geplant ist, dass sich das Gelände zum Milano Innovation District (MIND) entwickeln soll. Aktuell sticht vor allem die Baustelle des entstehenden 16-stöckigen Krankenhauses hervor, in welchem nach der Fertigstellung mehr als 700 Ärzte und 1.100 Krankenschwestern arbeiten werden. Das neue Krankenhaus wird 500 Betten haben und wird sich auf einige Schwerpunkte wie Orthopädie und Kardiologie fokussieren. Des Weiteren laufen aktuell die Verhandlungen mit 50 nationalen und internationalen Firmen welche eine Forschungseinrichtung im MIND errichten wollen. Ebenfalls hat die Universität Mailand damit begonnen einen eigenen Campus auf dem Gelände zu errichten. Im Endstadium sollen im MIND, welcher infrastrukturmäßig hervorragend angeschlossen ist, einmal mehr als 60.000 Menschen arbeiten und studieren.

 

Luiss Hub, Vortragende: Giulio Montoli

Als letzten Programmpunkt am ersten Tag ging es zum Luiss Hub. Hier gab es zunächst eine kleine Führung durch das Gebäude. Besonders interessant waren die Laboratorien mit den 3D Druckern und die Arbeitsplätze der Acceleratorteilnehmer*innen. Im Anschluss gab es einen Vortrag von Giulio Montoli, Leiter des Enlabs Acceleratorprogrammes, welches in Mailand und Rom angeboten wird. Hierbei wurden ausführlich der Bewerbungsprozess und die Durchführung des herausfordernden Programmes erklärt. Auch wenn sich das Enlab Acceleratorprogramm hauptsächlich auf gewinnorientierte Entrepreneure fokussiert, gab es am Ende noch eine kurze Präsentation von einem aktuellen Acceleratorteilnehmer mit einer Geschäftsidee welche auch soziale Aspekte beinhaltet.

Nicola Zanola erklärte die All-in-one Plattform Apical. Dieses Online-Tool ermöglicht Personen, Unternehmen oder Organisationen geplante Reisen einfach und sicher zusammenzustellen und verkauft Reiseprodukte. Es können in einem Planungsschritt verschiedene Services und Aktivitäten kombiniert werden.
Der Sozialaskpet bei Apicol ist, dass die Non-profit Organisation Beeyourhero unterstützt wird.

 

FabriQ, Vortragende: Elena Visentin, Matteo Bina

Am zweiten Tag ging es zu FabriQ, einem sozialen Innovation Incubator der Gemeindeverwaltung Mailand. Schon während der Fahrt mit dem Bus zum Quarto Oggiaro District konnte man die großen Unterschiede zum wohlhabenden Stadtkern und den ärmeren Randgebieten bemerken. Auch wenn die Gemeindeverwaltung Mailands hinter dem sozialen Incubator steht, erfolgt dessen Durchführung hauptsächlich durch zwei verlässliche und motivierte Partner: die Giacomo Brodolini Stiftung und dem Impact Hub Milano. Das Ziel des Incubators ist es soziale Innovationen zu fördern und soziale Startups in der Anfangsphase zu unterstützen. Für die Gemeindeverwaltung Mailands ist FabriQ aktuell eine Art Testprojekt mit dessen Erkenntnissen weitere soziale Incubatoren angedacht sind. Das Trainingsprogramm für soziale Entrepreneure ist sehr umfangreich, kann aber teilweise auf die Bedürfnisse der einzelnen Teams angepasst werden.

 

Ashoka Italy: Giulia Sergi

Im Anschluss gab es in den FabriQ Räumlichkeiten noch einen Miniworkshop unter der Leitung von Giulia Sergi (Ashoka). In dem Workshop ging es hauptsächlich darum wie man gewisse, oftmals langexistierende Systeme in unserer Gesellschaft ändern kann und die Herausforderung erkennen welche Faktoren oftmals (unbewusst) hinter solchen Systemen stecken. Genauer beschäftigten sich die Teilnehmer*innen in einer heiteren Diskussion mit der Problematik des Plastikmülls. Wie sich in der Diskussion herausstellte, hat Plastik unter Gewissen Voraussetzungen durchaus auch seine Vorteile welche in den aktuellen Plastikmülldebatten häufig nur unzureichend berücksichtigt werden.

SIAA Lab Carinthia! Update 

23.01.2020: Kickoff Veranstaltung (Modul 1)

13 ausgewählte Projektideen aus dem Ideenwettbewerb Make Good Things Happen! werden ihre Ideen im zweiten Durchgang des SIAA Lab! Trainingsprogramms weiterentwickeln.

Bei der Kick-off Veranstaltung (Modul 1) im inspire! wurde zunächst der Ablauf und Inhalt der kommenden vier Module erklärt. Hierbei stellten sich auch die Referent*innen der einzelnen Einheiten vor. In Form einer Gruppendiskussion wurden die Regeln für eine erfolgreiche Zusammenarbeit während der kommenden 3 Monate festgelegt.

Thematische Schwerpunkte

In einem interaktiven Teil ordneten die Teilnehmer*innen ihre Projekte den sechs Themenschwerpunkten (Gesellschaft im Wandel, Lebensqualität, Gesundheit & Versorgung, Klimawandel, Nachhaltiger Verkehr, Neue Formen der Zusammenarbeit) des Ideenwettbewerbes zu und stellten ihre Ideen in einem 3-minütigen Pitch vor. Während einige Teilnehmer*innen ihre Projekte sofort und eindeutig einem Themenschwerpunkt zuordneten, war für andere Teilnehmer*innen die Zuordnung nicht ganz einfach, da ihr Projekt mehrere Themenschwerpunkte zumindest tangiert. Trotzdem stellte sich am Ende Gesellschaft im Wandel mit fünf Projektzuordnungen als klarer thematischer Schwerpunkt heraus. Weiterer Themenschwerpunkte sind Gesundheit & Versorgung und Neue Formen der Zusammenarbeit (jeweils drei Projektzuordnungen).

Ebenfalls berichtete SIAA Lab! Testimonial Eva Maria Puschan (2019er Durchgang) über Ihre Erfahrung vom Trainingsprogramm und stelle kurz ihr Projekt Waldmomente (https://www.waldmomente.at/eva-maria.html).

Persönliche Hostbetreuung

Ein wichtiger Aspekt während des gesamten SIAA Labs! ist die persönliche Betreuung durch einen Host. Die Zuordnung der Host wurde während dem SIAA Lab! verkündet und im Anschluss lernten sich die Teilnehmer*innen und Hosts zum ersten Mal persönlich kennen. Die Referent*innen und Hosts freuen sich auf die Zusammenarbeit mit den Teilnehmer*innen und alle sind gespannt wie sich die Projekte weiterentwickeln werden.

Den Abschluss bildet ein Nationaler Demo Day am 3. April 2020 mit einem Pitch der Idee vor Vertreter*innen der öffentlichen Verwaltung, AMS und Caritas.

 

Fotos: SIAA Lab! Modul 1 in Klagenfurt

07.02. + 08.02. 2020: Modul 2

Vergangenes Wochenende fand das zweite Modul vom SIAA Lab!, ein Trainingsprogramm für soziale Innovator*innen, statt.

Gleich zu Beginn gab es für die Teilnehmer*innen einen Input von Anja Silberbauer, Geschäftsführerin des Social Businesees Harmony & Care. Im Anschluss wurde die Impact Business Model Canvas vorgestellt und die einzelnen Projekte beschäftigten sich vor allem mit Mission Statement, Stakeholder Beziehungen und Zielgruppen. Am zweiten Tag lernten die Teilnehmer*innen alles über den erfolgreichen Pitch und pitchten ihre Projekteidee in einem 3-minütigen Elevator Pitch selbst. Nach jedem Pitch gab es ein kurzes Feedback sowohl von den Referent*innen als auch den anderen Teilnehmer*innen. Mit den Anmerkungen können die Teilnehmer*innen sowohl den Pitch als auch die Projektidee selbst bis zum nächsten Modul in 3 Wochen weiterentwickeln.

 

Fotos: SIAA Lab! Teilnehmer*innen bei der Arbeit (Modul2)

 

 

National Demo Day

Interessiert mehr über die spannenden Projekte des SIAA Labs! zu erfahren?

Am Freitag, den 03.04.2020, in der Zeit von 14.00 bis 16.00 findet im inspire! Lab (Lakeside Park, Gebäude 12, LSP 12a, 1.4.1.) der National Demo Day statt. Während der Veranstaltung stellt sich jedes Projekt in Form eines 3-minütigen Elevator Pitches vor, ein Keynote Input steht auf dem Programm und die Networking Session erlaubt den direkten Austausch mit den sozialen Innovator*innen.

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